[TV] Die wilden Seventies (arte)

Vom 04. bis zum 08. August um 20.15 Uhr

Die wilden Seventies

Die Turbulenzen am Ende der 60er Jahre setzen sich in den 70ern fort. Die fünfteilige Dokumentationsreihe lässt bekannte Deutsche und Franzosen zu Wort kommen, die "die wilden Seventies" als Jugendliche erlebt haben.
Nach der Ausstrahlung können Sie die verschiedenen Folgen auf ARTE+7 sehen.

Exklusiv fürs Netz
Stellen Sie sich vor, es ist 1970 und Sie sind eine Stadt, ein Buch, ein Film…
Die Antworten liefern: Patrick Eudeline, Frédéric Mitterrand, Amanda Lear, Romain Goupil, Peter Ensikat, Daniel Cohn-Bendit, Elizabeth Lebovici…

  • Die wilden Seventies

In fünf Beiträgen bringt die Dokumentationsreihe die Stimmung der 70er Jahre zurück. Sie waren ein Jahrzehnt der Utopien und sozialen Errungenschaften. Doch nach und nach erfolgte die Rückkehr in die Realität, gepaart mit so mancher Enttäuschung. Die Euphorie der frühen 70er machte der Ernüchterung der 80er Jahre Platz. Deutsche und Franzosen erzählen in "Die wilden Seventies" von ihrer Jugend in einer rebellischen Zeit. Im Interview sind unter anderem: Daniel Cohn-Bendit, Jim Rakete, Amanda Lear, Philippe Starck, Bernardo Bertolucci und Rosa von Praunheim.
Montag, den 4. August
Macht euch frei!
Die sexuelle Befreiung nahm ihren Anfang in den turbulenten späten 60er Jahren. Zu Beginn der 70er Jahre wurden dann Erotikfilme wie "Emmanuelle" zum Auslöser einer wahren Revolution der Sinnlichkeit. Hauptdarstellerin Sylvia Kristel jagte Zuschauern in aller Welt lustvolle Schauer über den Rücken. Der Sexshop wurde erfunden, und in Frankreich hatte die Dokumentation "Exhibition" über das Leben eines Pornostars großen Erfolg.
Der nackte Körper wurde als Waffe eingesetzt, um zu verführen, Tabus zu brechen und seine Freiheit zu behaupten. Dieser neue Körperkult fand besonders in der Kunst seinen Ausdruck. Es entstand ein Dreiecksverhältnis von Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll, während die Monogamie und konventionelle Beziehungen weniger gefragt waren. Man suchte nach der idealen Form der körperlichen Liebe und gab sich Exzessen hin. Noch ahnte niemand, dass Aids, die "Pest der Moderne", dem bald ein Ende setzen würde.
Dienstag, den 05. August
Der Kampf geht weiter!
1968 träumt man auf der ganzen Welt von politischer Revolution. Und auch die frühen 70er Jahre sind von diesem Gedanken geprägt. Bob Marley ist eine Leitfigur und mit "Shot the Sheriff" tritt er, aus Solidarität mit seinen unterdrückten jamaikanischen Brüdern, eine musikalisch-soziale Protestbewegung los, bevor er sich dem politischen Pazifismus zuwendet.
Nachdem die lautstarken Proteste auf den amerikanischen und westeuropäischen Straßen im Mai 1968 keine tiefgreifenden Veränderungen herbeigeführt haben, driften in den 70er Jahren manche Revolutionäre in den bewaffneten Kampf ab und eröffnen eine Welle des Terrorismus. Währenddessen versuchen andere als Hippies der Konsumgesellschaft zu entfliehen. So zeigen sich die 70er Jahre auch als Jahrzehnt zwischen Terrorismus und Pazifismus, das für viele in die zynische "No-Future"-Haltung der 80er Jahre mündete.
Mittwoch, den 06. August
Unbeschreiblich weiblich
Die Veränderungen von 1968 brachten zwar nicht die erträumte politische Revolution, dafür aber setzen die 70er Jahre entscheidende Impulse für die Emanzipation der Frau. Im Kino verkörpert die Schauspielerin Romy Schneider, die früher als "Sissi" brav auf den Märchenprinzen gewartet hatte, in der Rolle der "Rosalie" die befreite Frau, die zwei Männer liebt.
Alice Schwarzer wird zur Ikone der Frauenbewegung, deren Grundlagen unter anderem von der Philosophin Simone de Beauvoir ("Das andere Geschlecht") gelegt wurden.
Nach dem erkämpften Recht auf Empfängnisverhütung machen die Feministinnen sich nun für andere Forderungen stark, wie das Recht auf Lust, auf Gleichstellung in der Paarbeziehung und auf wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Donnerstag, den 07. August
Willkommen in der Zukunft
1969 betritt mit Neill Armstrong zum ersten Mal ein Mensch den Mond. Dieser "kleine Schritt für den Menschen, aber große Schritt für die Menschheit" trägt dazu bei, dass das folgende Jahrzehnt von Zukunftsutopien geprägt ist. Das Fernsehen zeigt die Welt nun nicht mehr in Schwarz-Weiß, sondern in Farbe. Und Captain Kirk und Mister Spock entführen die Zuschauer mit ihrem "Raumschiff Enterprise" in die Zukunft. Doch in den 70ern werden nicht nur die unendlichen Weiten des Weltraums erkundet, sondern man entdeckt auch die Welt der Mikrochips und Computer.
Nicht alle träumen von einer Zukunft der unbegrenzten Möglichkeiten. Statt immer höherer Wolkenkratzer, wollen andere dagegen zurück zur Natur. Angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung wird klar, dass die Menschheit umdenken muss.
Freitag, den 08. August
Die rosa Revolution
1970 hat noch nie jemand etwas von "gay pride" gehört – ja, das Wort "gay" ist noch nicht einmal Bestandteil des deutschen Wortschatzes. Doch die Rock- und Popmusik bietet Homosexuellen bald die Möglichkeit zum Coming-out. Freddie Mercury und seine Band Queen gehören zu den treibenden Kräften dieser Entwicklung, die 1969 in New York mit Demonstrationen von Transvestiten gegen die Schließung der Schwulenbar "The Stonewall" begonnen hatte.
In Europa spielt Deutschland eine Vorreiterrolle, insbesondere dank des Engagements von Filmemachern wie Rosa von Praunheim und Rainer Werner Fassbinder. In Frankreich wird das Thema Homosexualität dagegen in Komödien wie "Ein Käfig voller Narren" oder in medizinischen Fernsehsendungen abgehandelt.
Im Bereich der Popmusik ermutigt der bisexuelle, androgyne David Bowie viele Homosexuelle zu mehr Selbstbewusstsein. Doch die Back- und Darkrooms der Schwulenbars tragen schon bald zur Ausbreitung von Aids bei. Einige Hauptakteure der Schwulenbewegung haben den Erfolg ihres Engagements selbst nicht mehr erleben können.

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Die wilden Seventies
Vom 04. bis zum 08. August 2008 um 20.15 Uhr
Regie: Emmanuelle Nobécourt
Produktion: Fabrice Coat
Autor: Didier Varrod
Produktion : Program33, ARTE GEIE
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