Pulverfass mit Herz

Berliner Zeitung, 04./05.10.2008
 
Pulverfass mit Herz
 
Silke Janovsky
Eigentlich will sie nur eine Tüte Milch kaufen. Im Supermarkt fällt ihr ein, dass zu Hause nur noch ein Rest Kaffee in der Dose ist. Sie nimmt ein Päckchen, geht weiter den Gang entlang. Eier, stimmt, könnte sie auch gebrauchen. Am Obststand packt sie ein paar Bananen und Äpfel zusammen, später Milch, Butter und Käse. Bis sie an der Kasse ankommt, hat sie alles kunstvoll auf den Armen gestapelt.
Vor ihr an der Kasse steht ein junger Mann, stark angetrunken. Vor sich hält er sieben Flaschen Bier in enger Umarmung. Als er sie aufs Band legen will, fallen zwei zu Boden und zerschellen auf den Fliesen. Er will gerade zwei neue Flaschen holen gehen, da sagt die Kassiererin mit polnischem Akzent zu ihm: "Junger Mann, du cholst chier kein neue Bier, sondern Kehrwisch und Schaufel und machst weg die Scherben!" Der junge Mann stutzt. "Ich dachte das is Ihr Job." Die Kassiererin wird rot im Gesicht. "Ich bin nicht da, um Scherben von Besoffski wegzumachen, aber um Rotzlöffel wie Dir zu zeigen, wie man sich benimmt. Wenn du weiter frech bist, explodier‘ ich wie Fass Pulver." Eingeschüchtert holt der Mann Kehrschaufel und Handbesen und beseitigt seine Scherben.
Als die Frau an der Reihe ist, fällt ihr die Butter auf den Boden. Sie hebt sie auf, blickt ängstlich zur der Verkäuferin. Die schaut streng, sagt dann aber: "Keine Sorge, bin ich zwar manchmal Fass Pulver, aber mit Cherz!"
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