[info] Obama-Sieg: Wahlbeteiligung nur wie 2004

Obama-Sieg: Wahlbeteiligung nur wie 2004

Florian Rötzer 08.11.2008

Eine historische Wahlbeteiligung, wie zur Erklärung von Obamas Sieg gemeldet wurde, gab es nach einer aktuellen Analyse nicht

Der Sieg von Barack Obama wurde nicht nur auf die Abwendung von Bush und die Finanzindustrie zurückgeführt, sondern auch auf die historisch
hohe
Wahlbeteiligung. "Mit 66 Prozent der Wahlberechtigten", so hieß es etwa bei der Tagesschau, "stimmten nach Erhebungen der Webseite RealClearPolitics so viele Bürger ab wie in den vergangenen 100 Jahren nicht. Obama gelang es dabei vor allem, Schwarze und Jungwähler zur Wahlteilnahme zu bewegen."


   
 

Nach einem Bericht des Center for the Study of the American Electorate an der American University wurde die Begeisterung für die Wahl hier vermutlich doch überschätzt. Die Wahlbeteiligung lag in etwa so hoch wie 2004, maximal sei sie vielleicht ein Prozent höher gewesen. Gehe man von der berichteten Wahlbeteiligung zwischen 126.5 bus 128.5 Millionen aus, dann seien dies 60,7 oder höchstens 61,7 Prozent aller Wahlberechtigten. Wenn es tatsächlich mehr als 61 Prozent sein sollten, dann wäre es die höchste Wahlbeteiligung seit 1964.

Nach dieser Studie verdankt sich der Erfolg vor allem dem Umstand, dass 1,3 Prozent der Anhänger der republikanischen Partei weniger als 2004 an der Wahl teilgenommen haben (Anteil an allen Wahlberechtigten 28,7%), während bei den Anhängern der Demokraten gegenüber 2004 2,6 Prozent mehr gewählt haben (31,3 Prozent aller Wahlberechtigten). Man habe sich von der hohen Zahl der Wählerregistrierung (10 Millionen mehr als zuvor), der unterstellten Bereitschaft der Menschen, lange zu warten, dem vermuteten Anstieg von jungen und schwarzen Wählern und der aktiven Kampagne von Obama täuschen lassen, meint Curtis Gans, der Leiter des Zentrums. Es seien vor allem demokratische und unabhängige Wähler gewesen, die sich registrieren ließen, und es seien vor allem Anhänger der Demokraten gewesen, die sich in den langen Schlangen angestellt hätten. 2004 hätten einfach die Republikaner noch mehr Menschen zu den Wahlmaschinen locken können.

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Und auch ganz allgemein habe die Stimmung zuungunsten der regierenden Partei gesprochen. So schlecht sei diese seit 1932 nicht mehr beurteilt worden: 90 Prozent der Amerikaner glauben, dass die Nation in die falsche Richtung geht, 75 Prozent beurteilen die Leistung des Präsidenten als negativ, mehr als 80 Prozent sehen das Land in einer Rezession und fürchten, dass es noch schlimmer wird. Wenn die Wirtschaft in eine Krise gerät, so Gans, wird das der Partei im Weißen Haus zugeschrieben. Danach wäre also der Medienhype über den Obamas-Effekt weit übertrieben, man hat einfach die regierende Partei und den regierenden Präsidenten abgewählt, was Obama erleichtert haben könnte, was aber auch jeder andere demokratische Präsidentschaftskandidat hätte schaffen können.

Allerdings haben im Unterschied zu 2004 doch einige Millionen mehr für Obama als damals für Bush gestimmt.

2004 stimmten 62.040.606 Millionen oder 51 Prozent für Bush und 59,028,109 Millionen oder 49 Prozent für Kerry, 2008 erhielt Obama 64.985.624 Millionen oder 53 Prozent der Stimmen, McCain hingegen nur 57.125.842 Millionen oder 46 Prozent. Das sind immerhin 5 Millionen weniger für den republikanischen Kandidaten und 6 Millionen mehr für den demokratischen.

 
 

Eingefügt aus <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29095/1.html>

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