[info] Deutsche Ärzte haben wenig Zeit für Patienten

18. November 2008, 17:28 Uhr

VERGLEICHSSTUDIE

Deutsche Ärzte haben wenig Zeit für Patienten

Schnell, schnell, der Nächste bitte: Deutschlands Mediziner haben kaum Zeit für ihre Patienten. Ein Besuch im Arztzimmer geht deutlich schneller vonstatten als in anderen europäischen Ländern.

Die Sprechstunden sind pro Patient um 30 Prozent kürzer als im europäischen Durchschnitt, ist in einem Vergleich des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zu lesen. Dennoch hätten die Ärzte längere Arbeitszeiten. "Wir müssen es höher bewerten, wenn Ärzte sich mehr Zeit für ihre Patienten nehmen und sich in Forschungsfragen anhand objektiver Quellen auf dem Laufenden halten", sagte Institutschef Peter Sawicki.


AP

Arzt und Patient: "Wir müssen es höher bewerten, wenn Ärzte sich mehr Zeit für ihre Patienten nehmen."

Unter dem Strich fiel die Bewertung der Prüfer, was die medizinische Versorgung der Bundesbürger angeht, dennoch positiv aus. Deutschland habe eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Um es zu optimieren sollte nach Ansicht des Instituts mehr in die praxisrelevante klinische Forschung investiert werden.

Neuen Behandlungen gelte es offen aber kritisch gegenüberzustehen, um das Gesundheitssystem bezahlbar und leistungsfähig zu erhalten. In der täglichen Praxis sei der genaue Nutzen vieler medizinischer Maßnahmen unklar. "Zwar haben die Deutschen einfachen Zugang zu neuen ‚innovativen‘ Therapien – ob diese allerdings immer besser sind als die lang bewährten Maßnahmen, ist häufig unklar", erklärte Sawicki.

Nicht jede neue Technologie stelle notwendigerweise einen Fortschritt dar. Vor ihrem breiten Einsatz sollten innovative Behandlungen daher zunächst unter Praxisbedingungen ausreichend getestet werden. In diesem Zusammenhang verwiesen die Experten auch darauf, dass in Deutschland Medikamente teurer sind als in den anderen europäischen Ländern.

Preissenkungen spielten eine wichtige Rolle, wenn es darum gehe, in Deutschland auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung für alle zu gewährleisten, sagte Sawicki. Der Studie zufolge verwenden die Deutschen mehr frei verkäufliche Arzneimittel als andere Europäer.

Ein am Montag veröffentlichter Vergleich hatte ergeben, dass es vergleichsweise schwierig ist, in Deutschland gesund und fit alt zu werden. Wer hierzulande 50 Jahre alt ist, hat im Durchschnitt nur noch rund 13 gesunde Jahre vor sich. In der EU liegt Deutschland damit im unteren Mittelfeld – noch hinter einigen osteuropäischen Staaten.

chs/AP

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