[info] Parteipolitiker in die Produktion; hier: CDU BERLIN

CDU BERLIN

Versorgen und entsorgen

Jan Thomsen

Der neue "starke Mann" der Berliner CDU, wie der Fraktions- und jetzt auch Landes-Chef Frank Henkel genannt wird, hat einen Rekord zu bieten. Unter seinen 37 Christdemokraten im Abgeordnetenhaus sitzen gleich drei Amtsvorgänger – so heftig, häufig und abrupt wechselte in den vergangenen Jahren das Spitzenpersonal. Einer der drei ist Friedbert Pflüger, den Henkel im September nach dessen faszinierend rasanter und ebenso kompletter Selbst-Demontage ablöste. Der 53-Jährige, gescheiterter Spitzenkandidat gegen Wowereit, hatte zuvor für sich beansprucht, Landeschef zu werden, und zwar anstelle von Ingo Schmitt. Der organisierte daraufhin geschwind Pflügers Abwahl – musste dann aber selbst zurücktreten, weil die Bundes-CDU in dem Schlamassel einen Neubeginn einforderte.

Pflüger, der erst Anfang 2006 auf Empfehlung Angela Merkels als Spitzenkandidat zur Berliner CDU kam, ist jetzt einfacher Abgeordneter im Landesparlament. Selbst seine zahlreichen Kritiker würden einräumen, dass der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und Außenpolitik-Experte mit Bundestagsmandat dafür klar überqualifiziert ist. Hinzu kommt: Pflüger gab, auch um im Berliner Wahlkampf 2006 glaubwürdig zu sein, alle Bundespositionen auf. Sein Einkommen dürfte damals bei gut 14 000 Euro brutto gelegen haben, jetzt erhält er als Abgeordneter eines Halbtagsparlaments nicht einmal 3 000 Euro im Monat.

Auch deshalb wirbt jetzt die Bundes-CDU dafür, dass der Fall gelöst wird – und zwar am besten, indem die Berliner Union Pflüger als Kandidaten für die Europawahlen 2009 aufstellt, während Schmitt in den Bundestag geschickt wird. Als "Geste der Versöhnung" sei dies nötig, heißt es – und auch als allgemeine Geste, dass Parteien jene Menschen nicht fallen lassen, die für sie Lebensrisiken eingehen.

Dies ist nun eine verzwickte Angelegenheit. Bereits am Sonnabend stellen die Delegierten die Listen auf. Dass Schmitt, der viel geschmähte Held der Hinterzimmer, einen aussichtsreichen Platz erhält, scheint nahezu sicher. Für Pflüger gilt das nicht. CDU-Chef Henkel hätte ihn zwar gern raus aus dem Abgeordnetenhaus, weil ihm der abgekanzelte Vorgänger nicht geheuer ist. Doch eine CDU-Mehrheit für Pflüger als Europakandidat ist nicht leicht zu organisieren, denn die Posten waren, unionstypisch, längst verteilt. So kann es passieren, dass Pflüger leer ausgeht – und sich wieder auf Jobsuche begeben muss.

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Foto: Friedbert Pflüger möchte gern ins Europaparlament.

 
 

Eingefügt aus <http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/1120/seite1/0059/index.html>

 
 

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