[info] unparteiische Hauptstadtpresse…

11.12.2008 / Ansichten / Seite 8

 

Terroristenjäger des Tages: Hauptstadtpresse

Etwas »Terror« muß sein, sonst sinkt die Auflage. Springers Berliner Morgenpost und Die Welt titelten am Mittwoch: »Ex-Terrorist schleudert Steine gegen Bankfiliale«, die Bild-Regionalausgabe (»Ex-Terrorist wirft Steine«) schloß sich an und der Tagesspiegel (Holtzbrinck-Konzern) wußte: »Ex-Terrorist warf Steine auf Sparkasse«, Unterzeile: »Till Meyer randalierte in Wilmersdorf«. Das war mehr als der Polizeibericht erlaubte, aber bei »Terrorist« dürfen alle Sorgfaltsstandards in den Journaillenskat gedrückt werden. Tatsache ist, daß die Berliner Polizei am frühen Montag abend Till Meyer, in den 70er Jahren Mitglied der »Bewegung 2. Juni«, vorläufig festnahm. Passanten wollten gesehen haben, daß er mehrere Pflastersteine auf eine Sparkassenfiliale in der Uhlandstraße geworfen haben soll. Von jW befragt, erklärte der Journalist, er habe gegen 17 Uhr die Nachricht über den Ausgang des Dessauer Verfahrens im Fall Oury Jalloh gehört: Zwei Polizeibeamte, die mitverantwortlich dafür waren, daß der Afrikaner an Händen und Füßen gefesselt bei lebendigem Leib in seiner Zelle verbrannt war, wurden freigesprochen. Meyer: »Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang, der mich zutiefst empörte.« Er habe tatsächlich vor der Sparkasse gestanden, als es auch schon »kräftig geklirrt« habe. Sein Kommentar zu dem Polizeivorwurf, er habe unter Alkoholeinwirkung gestanden: »Wenn ich nach jedem Glas Bier Bank- oder Sparkassenfilialen zertöpperte, wäre ich zumindest Held der Glaserinnung. Das dient der Diffamierung.« Denselben Zweck erfüllt auch die Mitteilung der Hauptstadtpresse: Da für den »Anschlag« (Tagesspiegel) ein politisches Motiv vorgelegen habe, ermittele jetzt der Polizeiliche Staatsschutz. Der ist allerdings überflüssig: Wer solche Gazetten hat, benötigt keine Staatssicherheit. Die Berliner Zeitung berichtete übrigens über den Vorfall ohne Namensnennung in der Rubrik »Polizeireport«.(asc)

 
 

Eingefügt aus <http://www.jungewelt.de/2008/12-11/028.php?print=1>

 
 

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