[info] Antisemitismus jetzt auch offiziell im deutschen Bürgertum

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Sonntag, 26.04.2009

http://www.morgenpost.de/politik/article1078880/Antisemitismus_erreicht_die_buergerliche_Mitte.html

Judenfeindliche Einstellungen

Antisemitismus erreicht die bürgerliche Mitte

Donnerstag, 23. April 2009 10:48

Bisher galt der Antisemitismus als ein Phänomen linker und rechter Randgruppen. Doch eine neue Studie belegt, dass judenfeindliche Überzeugungen auch die bürgerliche Mitte prägen. So gab es bei Demonstrationen gegen Israels Gaza-Krieg Plakate mit der Aufschrift "Ich bin Antisemit und das ist gut so".

Davidstern und Hakenkreuz: Ein Anti-Israel-Demonstrant in Valencia.

Foto: dpa

Davidstern und Hakenkreuz: Ein Anti-Israel-Demonstrant in Valencia

Der Antisemitismus ist in Deutschland nach Ansicht von Experten längst kein Phänomen rechter Randgruppen mehr, sondern grassiert immer stärker in der bürgerlichen Mitte.

Dabei werden judenfeindliche Einstellungen oft als Israelkritik getarnt, sagte die Jenaer Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur. Unter dem Deckmantel dieser Kritik und freier Meinungsäußerung versteckten sich aber meist alte antisemitische Vorurteile.
"Erschreckend ist, dass diese häufig von gebildeten Bürgern wie Professoren, Ärzten und Studenten kommen." Am Donnerstag beginnt in Jena ein Symposium zum Antisemitismus in Deutschland. Dazu werden mehr als 100 Teilnehmer erwartet.

Tausende Hass-Mails erreichen den Zentralrat

Seit zwei Jahren geht Schwarz-Friesel in einer Studie der Frage nach, wie sich der Antisemitismus heute äußert. Dazu analysiert sie mit ihrem Team rund 10.000 E-Mails und Briefe, die in den vergangenen fünf Jahren beim Zentralrat der Juden und der israelischen Botschaft in Deutschland eingegangen sind. "Der Großteil davon ist klar antisemitisch", erklärte die Germanistin in einer Zwischenbilanz der Studie.

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"Und zu unserer Überraschung stammten weit über 80 Prozent von gebildeten Menschen aus der Mitte der Gesellschaft." Diese judenfeindlichen Äußerungen würden meist sehr geschickt verpackt. "Aber die Semantik ist genauso radikal wie bei Rechtsextremen."
Der Trend werde dadurch bestätigt, dass auch öffentlich etwa in Leserbriefen, Interviews und Internetforen immer öfter antisemitische Aussagen auftauchten. In der Diskussion über den Nahost-Konflikt seien häufig NS-Vergleiche zu finden, durch die der Massenmord an Millionen Juden durch die Nationalsozialisten relativiert werde. "Der Verbalantisemitismus nimmt mehr und mehr zu und findet kaum Widerspruch", konstatierte die Expertin. Auch dies sei ein Indiz für die weite Akzeptanz solcher Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft.
Doch das Problem werde von der politischen Elite weitgehend verkannt, kritisierte Schwarz-Friesel. So seien bei Demonstrationen gegen die Militäroffensive Israels in Gaza Plakate mit der Aufschrift "Ich bin Antisemit und das ist gut so" zu sehen gewesen.

"Wo ist da der Aufstand der Anständigen?", mahnte die Wissenschaftlerin. Sie vermisse eine breite gesellschaftliche Ächtung solcher Äußerungen, ebenso wie von NS-Vergleichen und einer Dämonisierung Israels.

Rekordhoch bei politisch motivierten Straftaten

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten stieg im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nannte den Zuwachs um mehr als elf Prozent auf 31.801 Delikte beunruhigend. Das ist die höchste Zahl seit Einführung dieser Statistik im Jahr 2001. Zwei Menschen hätten infolge politisch motivierter Gewalt sogar ihr Leben verloren.

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Die Zahlen politisch motivierter Kriminalität

2008 gab es 20.422 Fälle politisch motivierter Kriminalität von rechts. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 16 Prozent.

Im rechten Spektrum wurde der stärkste Anstieg der Straftaten verzeichnet – plus 16 Prozent auf 20.422. Dazu beigetragen hat laut Ministerium, dass seit 2008 auch von unbekannten Tätern verübte "Propagandadelikte" (der NS-Verherrlichung) grundsätzlich den Rechtsextremisten angelastet werden. Diese Propagandadelikte machten mittlerweile 69,9 Prozent aller rechten Straftaten aus.

Weiterer Zuwachs geht auf das Konto der "Autonomen Nationalisten". Sie lehnten sich in ihrem Auftreten bei Demonstrationen, in ihrer Sprache und Kleidung inzwischen linksextremistischen Verhaltensweisen an, hieß es. Dadurch übten sie gerade auf Jugendliche eine stärkere Anziehungskraft aus, als es die konventionelle rechte Szene bislang vermocht habe.dpa/AP/fsl

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Antisemitismus erreicht die bürgerliche Mitte

Bisher galt der Antisemitismus als ein Phänomen linker und rechter Randgruppen. Doch eine neue Studie belegt, dass judenfeindliche Überzeugungen auch die bürgerliche Mitte prägen. So gab es bei Demonstrationen gegen Israels Gaza-Krieg Plakate mit der Aufschrift "Ich bin Antisemit und das ist gut so".

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