[rad] Verkehrsüberwachung vom Fahrrad aus

 

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16.07.2009 | 21:05 Uhr

 

Falkensee – Verkehrsüberwachung vom Fahrrad aus

Seit diesem Monat gehen in Falkensee vier Beamte per Rad auf Streife

Verkehrsüberwachung vom Fahrrad aus
Verkehrsüberwachung vom Fahrrad aus

Falkensee (ddp-lbg). Die ältere Frau zeigt keinerlei Unrechtsbewusstsein. Soeben wurde sie dabei erwischt, wie sie mit ihrem Fahrrad auf einem schmalen Gehweg in Falkensee (Havelland) unterwegs war. Nun diskutiert die Mittfünfzigerin lautstark und hitzig mit dem Polizisten der Radstaffel, der sie gestoppt hat. «Passen Sie mal schön auf, dass sie es nicht übertreiben. Ich fahre jetzt seit 20 Jahren auf dem Weg, und in der ganzen Zeit hat sich auch keiner darum gekümmert», blafft die Frau den Polizeihauptmeister Frank Kmitta an. Der bleibt ruhig und versucht, der Frau die Straßenverkehrsordnung zu erklären. Am Ende lässt er die Frau unbehelligt ziehen. «Heute belasse ich es bei einer Verwarnung. Das nächste Mal wird es teuer», sagt er.

Kmitta hat solche Reaktionen von Radfahrern in den vergangenen Tagen mehrfach erlebt. «Das ist absolut typisch für die Leute. Entweder sie kennen die Regeln gar nicht. Und wenn doch, dann ignorieren sie sie einfach», sagt er. Seit Monatsanfang ist Kmitta in Falkensee gemeinsam mit drei Kollegen in einer neu gegründeten Fahrradstaffel unterwegs. Seine Bilanz ist ernüchternd. «Die Missachtung der Regeln zieht sich durch alle Altersgruppen. Besonders die Älteren nehmen uns überhaupt nicht für voll», beschreibt Kmitta den zivilen Ungehorsam vieler Radfahrer.

Bekannt ist der Zustand in Falkensee allerdings schon länger. «Die Beschwerden aus der Bevölkerung über rücksichtslose Radfahrer haben sich gehäuft. Hinzu kamen Unfälle, in die Radfahrer verwickelt waren», sagt der Leiter der Falkenseer Streife, Polizeioberkommissar Christian Naethe. Deshalb sei eine Fahrradstaffel gegründet worden. Seit dem 1. Juli fahren vier Beamte mit besonderem Augenmerk auf radelnde Verkehrssünder durch die prosperierende Gemeinde westlich von Berlin.

Neu ist die Idee der Fahrradstaffel nicht, im Land Brandenburg gibt es insgesamt acht solcher Staffeln. Die Erste ging im Jahr 2004 in Potsdam auf Streife. «Grundsätzlich sollen die Radstaffeln einem verbesserten Bürgerkontakt dienen», heißt es zum Sinn der besonderen Einheiten im Innenministerium. Zugleich füllen die Polizisten eine Lücke im öffentlichen Erscheinungsbild der Polizei aus. So verfolge man die «Strategie, mehr Präsenz auf die Straße zu bringen und den Verfolgungsdruck unter anderem auch auf Verkehrssünder zu erhöhen», erläutert ein Sprecher.

«Radfahrer neigen ohnehin dazu, Regeln großzügig auszulegen. Wenn aber die Gefahr gering ist, erwischt zu werden, nimmt das natürlich irgendwann Auswüchse an», sagt Christian Naethe. Verschärfend kommt aus seiner Sicht hinzu, dass Falkensee, dessen Einwohnerzahl sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelte, «sich zu einer regelrechten Fahrradstadt entwickelt» habe. «Es gibt drei Bahnhöfe und viele nutzen ausschließlich das Rad und die öffentlichen Verkehrsmittel», erklärt Naethe die auffällig hohe Raddichte in der Stadt. Die Interessengemeinschaft «Ruhiges Falkensee» moniert jedoch, dass die Stadt zu sehr die Interessen der Autofahrer berücksichtige und den Ausbau des Radwegenetzes vernachlässige.

Von den Widerständen in der Bevölkerung wollen sich die vier Fahrradbeamten jedoch nicht abschrecken lassen. «Im Vergleich zu den ersten Tagen hat sich die Situation schon spürbar gebessert. Die Leute erkennen uns mittlerweile und wissen, dass ihnen bei Verstößen Ungemach droht», sagt Naethe und kündigt an: «Momentan klären wir nur auf und belassen es bei Ermahnungen. In ein paar Wochen tun die Verstöße aber im Geldbeutel weh.»

(ddp)

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